… unsere Uhr hat zehn geschlagen – nun, zunächst schlug es erst einmal halb sieben, als aufgestellte Toastmasters aus Winterthur und Zürich, viele mit PartnerIn, sich im Restaurant ….   zur gemütlichen Runde in italienischem Ambiente niederliessen. Ausser Rolfs Willkommensgruss wurden für einmal keine Reden gehalten, dafür umso munterer geredet. Innert kurzer Zeit war es heiss, angeregt und laut, und es war klar, dass hier kein Retreat zur inneren Einkehr stattfand. Highlight des Abends war der Schaffhauser „Nachtwächter“, eindrücklich in alte Tracht mit Umhang gekleidet und mit antiker Hellebarde samt Laterne eine respekteinflössende Figur.

Am Treffpunkt wurden wir – das hatte Rolf allerdings nicht organisiert – von einem feierlichen Umzug junger Menschen zum Welt-Jugend-Tag empfangen, die Taizé-Lieder sangen und mit ihren Kerzen eine mystische Atmosphäre verbreiteten. So romantisch sei es selten, staunte Herr Harzenmoser. Mit einem Schlüsselbund bestückt, der jeden Einbrecher vor Neid hätte erblassen lassen, öffnete er uns mächtige schmiedeiserne Tore, die in die hoheitlichen Gefilde der Stadt Schaffhausen führten. Von Gelagen hoher Herren hörten wir, dass der erste Liter Wein pro Person guter Qualität war, die zwei nachfolgenden?Ranzenklemmer dann aber unter Einfluss des Alkohols nicht mehr als so sauer empfunden wurden, wie sie effektiv gewesen waren.  Im ehemaligen Benediktiner-Kloster überraschte der grösste Kreuzgang der Schweiz, bestens erhalten, und sorgten Nacht und Dunkelheit für eine geheimnisvolle Atmosphäre, die der Geschichtenerzähler gruselig untermalte. Die erwähnten Gespenster sahen wir leider nicht (Herr H. hätte allerdings Salz dabei gehabt, um die umherirrenden Seelen zu vertreiben), doch geht das Gerücht, dass sich Unentwegte gegen Mitternacht nochmals in die dunklen Ecken gewagt hätten, um einen Blick in die Anderswelt zu riskieren. (Der entsprechende Bericht wird an dieser Stelle folgen, sobald er der Redaktion vorliegt.)

Ein weiteres sanftes Gruseln erfasste die Teilnehmenden, als sie von früheren Gepflogenheiten der Einwohner hörten, morgens den vollen Nachttopf aus den Zimmern mit Schwung auf die Gasse zu leeren. Weil das nicht immer ganz glimpflich ablief, wurde ein Gesetz erlassen, dass vor der Handlung ein lautes „Achtung!“ zu rufen war. Wer unten stand und von oben Geschrei hörte, der blickte dann erstmal gegen oben – mit nachvollziehbaren Folgen. Der Nachtwächter, der im besten Falle nach Eindunkeln den Menschen mit seiner Laterne heim leuchtete, im schlechteren Fall aber betrunken vor sich hin lallte und am nächsten Morgen schnarchend unter der Linde gefunden war, gehörte zur Gruppe der Berufsmänner mit dem schlechtesten Ruf, lediglich über- bzw. unterboten vom Henker und vom Totengräber. So konnte es sich nicht lohnen, einem der ewig besoffenen Nachtwächter zu kündigen, da sich kein anderer fand, der dieses ungeliebte Amt übernehmen wollte. Ganz von selbst funktionierte damit der Kündigungsschutz schon im Mittelalter, wenn die zuvor Gechassten kleinlaut einige Tage später wieder eingestellt wurden.

Der urchige Schaffhauser Dialekt des Nachtwächters (Denn hett er gsaaat …) trug viel zur Glaubwürdigkeit der witzigen Anekdoten und geschichtlichen Fakten bei, so dass diese Führung in vergangene Zeiten nicht nur höchst informativ war, sondern auch heiter und vergnüglich. Herrn Harzenmoser und Rolf Bänziger gebührt ein grosser Applaus für diesen nächtlichen Ausflug ins historische Schaffhausen. Danke!

Barbara Bernath-Frei

Hört Ihr Herrn und lasst euch sagen …