In den österreichischen Bergen darf man sich zurücklehnen, doch «im RCW fahren wir nicht mit angezogener Handbremse!». So begrüsste uns Eva, direkt aus den Salzburger Bergen zurückgekehrt. Dann ging es mit gelöster Handbremse auch gleich zu den drei vorbereiteten Reden.

Jacqueline entführte uns in ihrer Rede auf die Suche nach dem roten Faden ihres Lebens. Mit natürlichem Charme lud sie am Ende sogar die Zuhörer dazu ein, ihren eigenen roten Faden zu entdecken und endlich das zu tun, wofür man bestimmt sei.

In Thomas recherchierter Rede zeigte er uns eindrücklich auf, wie in der deutschen Automobilindustrie die Fäden gezogen werden. Der Diesel – die heilige Kuh Deutschlands – ist politisch viel zu stark verankert, als dass man ihn durch Strom ersetzen kann.

«Das Schwein ist schuld», lautet die einleitende Parole in der Rede von Simon. Sein juristischer Abriss zur Bedeutung der Bestrafung führte uns ins Mittelalter, wo selbst Tiere nicht vor der (Lynch-)Justiz verschont blieben. Sein Fazit: Dies zeigt eindeutig, welche Lust die Menschen am Bestrafen haben. Mit dieser Rede setzte sich Simon am Ende durch und wurde zum besten Redner gewählt.

In der Pause wurden wir nach österreichischer Gastfreundschaft verwöhnt. Eva brachte eine Tiroler-Platte und Kuchen mit, vielen Dank dafür!

Bei den Stegreifreden, geleitet von Martin, wurde man in eine Alltagssituation geworfen, bei dem ein Postpaket nicht richtig angeschrieben war, man es trotzdem öffnete, es jemand anderem gehörte, die Nachbarin einen beim Öffnen beobachtetet oder es einen peinlichen Inhalt hatte. Alle Redner reagierten erstaunlich vertraut auf die ungewöhnlichen Situationen am Briefkasten.

Zum Schluss wurde Jacqueline mit dem TM-Versprechen im Aufnahmeritual als neues Mitglied herzlich willkommen geheissen.

 

Die heilige Kuh Deutschlands – Clubabend vom 17. Juli

Ein Gedanke zu „Die heilige Kuh Deutschlands – Clubabend vom 17. Juli

  • 25. Juli 2017 um 13:35
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    Hatten die Menschen Lust am Bestrafen? Ist das der Grund, weshalb ein Schwein vor Gericht gestellt wurde?

    Meiner Ansicht nach lag der Grund dafür eher in der Zuschreibung der Verantwortung. Verantwortung wurde im Mittelalter anders definiert. Bereits früher wurden Tiere vor Gericht gestellt, selbst eine Glocke wurde einmal verurteilt und ausser Landes geschafft. So lesen wir bereits bei Platon: “Wenn aber Zugvieh oder sonst ein Tier einen Menschen ums Leben gebracht hat … so sollen die Angehörigen Anklage wegen Mordes erheben … Ist das Tier schuldig befunden worden, so soll es getötet werden und über die Landesgrenze geschafft werden.”

    Auch heute stellt sich immer wieder die Frage nach der Verantwortung. Denken wir an das berüchtigte Rädchen im Getriebe: Waren die Nazi-Mitläufer verantwortlich für die Gräuel in den KZ? Sie versuchten sich herauszureden, indem sie sagten, sie hätten z. B. nur einen Zug geführt (auch wenn dieser Zug für Auschwitz bestimmt war). Wo beginnt die Verantwortung, wo hört sie auf? Wie weit sind wir verantwortlich für die Ausbeutung unserer Ressourcen, für die Umweltverschmutzung, für die Klimaerwärmung, für den Landraub in Afrika und anderswo?

    Der Philosoph Hans Jonas spricht sich in seinem Werk “Das Prinzip Verantwortung” für eine Fern- oder Zukunftsethik aus. Sein ökologischer Imperativ lautet: “Handle nur so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz menschlichen Lebens.” Das bedeutet, dass der Mensch dafür verantwortlich ist, menschliches Leben zu erhalten und zu schützen und den Planeten zu bewahren. Hans Jonas sagt auch, dass wir dafür verantwortlich seien, worüber wir Macht haben. Da wir über die Natur Macht haben, sind wir für sie verantwortlich.

    Bei Marx und Engels lesen wir: “Selbst die ganze Gesellschaft, eine Nation, ja alle gleichzeitigen Gesellschaften zusammen genommen, sind nicht Eigentümer der Erde. Sie sind nur ihre Besitzer, ihre Nutzniesser, und haben sie als boni patres familias [gute Eltern] den nachfolgenden Generationen verbessert zu hinterlassen.”. Derzeit deutet alles darauf hin, dass der Erdball von Rabeneltern bewohnt wird …

    Setzen wir den Dialog im Paddy’s beim Bier fort? Das wäre schön.

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